Begegnungen‎ > ‎

Die Geschichte der Städtepartnerschaft

"Sport bewegt die Welt", sagt man, und im Falle der Städtepartnerschaft zwischen Rheda-Wiedenbrück stimmt das auf jeden Fall. Der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Jahre 1995 ging nämlich die Verschwisterung zweier Sportvereine voraus.

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends spielten die ersten Kinder aus Rheda-Wiedenbrück auf dem Schulhof der Lasalle-Schule in Palamós Basketball. Sie Kinder verbrachten ihre Schulferien an der Costa Brava und fanden schnell Kontakt zu gleichaltrigen katalanischen Korbjägern. Der herzliche Kontakt der Vereinsvorsitzenden Josep Lloret und Stephan Crass sorgte dafür, dass sich im Oktober 1989 die ersten Basketballer der DJK nach Palamós aufmachten. In den ersten Jahren wohnten noch alle deutschen Kinder im Hotel Nauta und verbrachten nur einen Tag mit gemeinsamem Picknick in einer katalanischen Familie. 

1991, also auch noch Jahre vor der offiziellen Verschwisterung beider Städte, kam der erste Gegenbesuch an die Ems. Kari Nocolás und Anna Maria Sànchez reisten per Bahn mit einer Mädchenmannschaft nach Rheda. Damit begann auch die für internationalen Jugendbegegnungen so wichtige Unterbringung in Familien. Dass inzwischen Jugendliche, die bereits an drei, fünf, sieben oder noch mehr Begegnungen teilgenommen haben, beweist, dass diese Art des Jugendaustausches finanzierbar und interessant ist und ist außerdem Garant für dauerhafte Verbindungen bis hinzu privaten Besuchen. Joan Danés, Anna Maria Vancells und Josep Santamaria waren und sind auf katalanischer Seite dafür verantwortlich, dass in 14 Jahren 450 Begegnungsplätze in Rheda und 800 Plätze in Palamós gebucht wurden. Wie viele Jugendliche der Vereine haben wohl bereits gemeinsame Abende im Castellet oder der Brennerei verbracht?

Die entstandene Freundschaft ist bis ins Rathaus von Palamós vorgedrungen. Bereits im Oktober 1991 lud Josep Ferrer, der damalige Bürgermeister der spanischen Hafenstadt, Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister schriftlich ein, mit einer Delegation Palamós zu besuchen. Es heißt in dem in deutscher Sprache geschriebenen Brief:

"Aus Anlass der guten sportlichen Beziehungen zwischen Rheda-Wiedenbrück und Palamós, lasse ich Ihnen diesen Brief zukommen, mit der Absicht, neue Freundschaftsbande zwischen den beiden Städten zu knüpfen. Deshalb möchte ich Sie, zusammen mit Herrn Stadtdirektor Doktor Schweins und einer Delegation Ihrer Stadt, einladen, unsere Stadt Palamós zu besuchen, um sie kennen zu lernen und über die Möglichkeit, einen Freundschaftspakt zu schließen, nachzudenken.”

Im Februar 1992 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Rheda-Wiedenbrück, eine Reisegruppe, bestehend aus Ratsherren aller Fraktionen, auf eigene Kosten in die jetzige Partnerstadt zu entsenden um die Stadt auf Herz und Nieren zu testen und über diese Eindrücke im Ausschuss zu berichten. Terminschwierigkeiten ließen den Besuch allerdings erst im September 1993 zu. Mit zwei PKW fuhren fünf Vertreterinnen und Vertreter von drei Ratsfraktionen, ein Mitglied der Stadtverwaltung sowie Stephan Crass zu einem Kurzbesuch ins fast exakt 1.500 km entfernte Palamós. Sie waren von der Stadt, der Gastfreundschaft und den Möglichkeiten einer Partnerschaft begeistert und berichteten entsprechend überschwänglich im Rat der Stadt.

Ebenso begeistert von Rheda-Wiedenbrück war die siebenköpfige Delegation aus Palamós, die Anfang Dezember 1993 das winterliche Rheda-Wiedenbrück besuchte. 1994 erlebten DJK-Basketballer wieder ereignisreiche Herbstferien in Palamós und 70 Jungen und Mädchen aus Palamós besuchten auf Einladung der Sportvereine DJK Rheda, FSC Rheda und Westfalia Wiedenbrück in der Vorweihnachtszeit die Emsstadt. Die Partnerschaft war nicht mehr aufzuhalten.

Formell wurden dann im Februar 1995 in beiden Städten jeweils unter Teilnahme des spanischen und deutschen Gerneralkonsuls mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden die gegenseitigen Beziehungen bekräftigt. Mittlerweile steht die Partnerschaft auf einer breiten Basis. Unterstützt von den beiden Städten und durch die Einsatzbereitschaft von Privatleuten und Vereinen aus Sport und Kultur besuchen jährlich viele Bürgern ihre europäischen Partnerstädte.

Noch 1994 kam eine große Delegation bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung und Fußballern zum Weihnachtsbesuch nach Rheda-Wiedenbrück. Im Folgejahr fanden der Gegenbesuch von FSC Rheda und Westfalia Wiedenbrück sowie der jährliche Basketballaustausch und die erste Fahrt der Jugendchöre St. Aegidius statt. Letztere nahmen an der Einweihung des Theaters "La Gorga" teil. 

Im Mai 1996 wurden in Rheda die 1. Palamós-Tage gefeiert. Die Rheda-Wiedenbrücker lernten Giganten, Habaneras und Tomatenbrot kennen und die Tradition der Palamósabende im Reethus nahm ihren Anfang. Die Abschlussklassen der Kettelerschule fuhren an die Costa Brava und die Stadtspitze aus Palamós kam zu einem Kurzbesuch. Im Jahre 1997 hatte Rheda-Wiedenbrück bei den 1. Rheda-Wiedenbrück-Tagen in Palamós Gelegenheit, sich darzustellen. Die VHS Reckenberg-Ems führte Spanischkurse in Palamós durch. Im darauf folgenden Jahr, 1998 waren die Jugendchöre St. Aegidius und die DJK Rheda in Palamós. Die Gigantentruppe Colla Gegantera, deren Kontakt zum Fürstlichen Trompetercorps immer enger wurde, und CE Palamós/Lasalle weilten in Rheda-Wiedenbrück. 

1999 fanden die 2. Palamós-Tage statt und es kam zur ersten Kontakten zwischen Einstein-Gymnasium und IES Palamós. Der mittlerweile verstorbene Bernd Schröder hob im Jahre 2000 die Palamósfreunde aus der Taufe - sie besuchten fortan die Partnerstadt zu Karneval und zur Fiesta Major. Die Colla Gegantera und das Fürstliche Trompetercorps verabredeten jährliche Begegnungen und die Jugendchöre St. Aegidius gingen eine Verbindung mit dem Coral El Progrès ein. Regelmäßig wurden nun auch die Palamós-Abschlussfahrten der Matthias-Claudius-Schule. 

Die 2. Rheda-Wiedenbrück-Tage fanden 2001 als sportlich-kulturelle Miniolympiade statt und nach "Palamós, un privilegi", in deutscher Sprache wurde der Rheda-Wiedenbrück-Führer "Zauberhafter Streifzug durch die Zeit" oder "Encisador passeig pel temps" in deutsch und katalanisch veröffentlicht. Der erste Jugendliche aus Palamós machte ein Praktikum im Simonswerk Rheda und das europäische Comenius-Schulprojekt verband nun auch offiziell das Einstein-Gymnasium und das IES Palamós. Darauf folgte gleich im Folgejahr die Comeniuspartnerschaft der Ruiz-Giménez-Schule mit der Ernst-Barlach-Realschule und Partnern aus Valmiera/Lettland.

Über die Jahre waren es viele Gruppen, von Sportlern über Delegationen der Palamósfreunde, der Städte, Künstlern und Musikern und sogar Feuerwehrleuten, die es in die Partnerstadt zog. Diese Breite der Partnerschaft ist es, die die Begegnungen zwischen Rheda-Wiedenbrück und Palamós zu etwas besonderem machen. Die Entstehung vieler Freundschaften über viele Jahre hinweg beweist tiefe Kontakte und echtes Verständnis für die Kultur des anderen. Viele dieser Freundschaften fanden ihre Grundlage in Familienunterbringungen. Den Familien, die ihre Türen großen und vor allem kleinen Gästen öffnen, die sich immer wieder besuchen und Freundschaft schließen, danken wir, dass Katalonien und Westfalen über alle sprachlichen und kulturellen Unterschiede hinweg eins sind: Europa.

Stephan Crass, Felix Winkelnkemper, Fritz-Wilhelm Held
Comments